Lesegottesdienst 09.04.2020 (Gründonnerstag)

Wochenspruch

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
der gnädige und barmherzige HERR.
Psalm 111,4

Der Gottesdienst

Eingangslied EG 398,1-2 In dir ist Freude

Eingangswort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Herr sei mit uns.

Am Gründonnerstag gedenken wir an den letzten Abend Jesu mit seinen Jüngern und es wird uns der letzte Abend des Volkes Israel vor dem Auszug aus der ägyptischen Knechtschaft in Erinnerung gebracht. Aber an Gedenktagen geschieht weit mehr als nur eine Erinnerung an vergangene Ereignisse. Vielmehr wird das Vergangene neu spürbar und lebendig. Auch wenn wir heute nicht gemeinsam im Gottesdienst sitzen und Brot und Wein nicht austeilen können, gedenken wir der Einsetzung des Heiligen Abendmahls und wir werden gewiss, dass Christus selbst unter uns gegenwärtig ist.

Gebet

Herr Jesus Christus,
du hast dein Mahl zum Zeichen deiner Liebe für uns eingesetzt.
Wie oft waren schon Gäste an deinem Tisch und haben uns stärken lassen.
Dafür danken wir dir.
Heute erinnern wir uns daran und bitten dich:
Stärke uns im Glauben und im Vertrauen,
dass du unseren Weg begleitest und uns nahe bist in der Not.
Das bitten wir dich, der du uns zum Bruder und Diener geworden bist – heute und alle Tage. Amen.

Epistel: 1.Korinther 11,23-26 – Vom Abendmahl des Herrn

Paulus schreibt: Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis.

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Evangelium: Johannes 13,1-15.34-35 – Die Fußwaschung

Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater. Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Und nach dem Abendessen – als schon der Teufel dem Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, ins Herz gegeben hatte, dass er ihn verriete; Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging – da stand er vom Mahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und zu trocknen mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.

Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, du wäschst mir die Füße? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; er ist vielmehr ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wusste, wer ihn verraten würde; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.

Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Denn ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.

Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Apostolisches Glaubensbekenntnis (EG Seite 1150)

Wochenlied EG 223,1-5 Das Wort geht von dem Vater aus

Predigtwort: 2.Mose 12,1-4(5)6-8(9)10-14(wird während der Predigt gelesen)

Predigt

I.

Mit Blaulicht und Martinshorn rast die Feuerwehr zum Einsatz. Die Autofahrer fahren links und rechts zur Seite und bilden eine Rettungsgasse, so wie es sich gehört; denn bei einem Notfall zählt jede Sekunde. Plötzlich schert ein dickes Auto aus. Der Fahrer reiht sich unmittelbar vor dem Feuerwehrauto ein und fährt langsam und gemütlich vor ihm her.

Leider ist eine solche Geschichte kein Einzelfall: Notärzte, Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute klagen über eine zunehmende Verrohung der Sitten.

Rettungsgassen werden zugestellt, Gaffer behindern die Rettungsmaßnahmen; es kommt zu Beleidigungen und sogar körperlichen Angriffen; und das ausgerechnet gegen diejenigen, welche die tätige Nächstenliebe zum Beruf gemacht haben. Dem Nächsten zu helfen, ist oft keine leichte Aufgabe.

Dass es auch in diesen Tagen der Corona-Bekämpfung zu Behinderungen der Hilfsmaßnahmen und zu Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen kommt, ist – Gott sei Dank – die Ausnahme. Und auch wenn es in manchen Läden zu Hamsterkäufen und in der Klinik zu ungeduldigen Reaktionen kommt, überwiegt derzeit doch die Anerkennung für Ärztinnen und Pfleger, für Busfahrer und Verkäuferinnen. Diese Menschen bilden sozusagen die Rettungsgasse unter den Bedingungen der Corona-Pandemie.

II.

Von einer ganz besonderen Rettungsgasse, die Gott dem Volk Israel baute, ist in unserem heutigen Predigtwort die Rede. Es geht darin um die Einsetzung des Passahfestes. An das Passahfest knüpft Jesus später an. Er deutet es um, als er mit seinen Jüngern das Abendmahl feiert. Jesus wird selbst zum Lamm Gottes, das für die Befreiung der Menschen geopfert wird.

Im Passahfest liegen die Wurzeln dafür, wie wir heute im Abendmahl und Ostern feiern. „Passah“ bedeutet „Vorübergehen“. Gott will sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreien. Damit sein Volk verschont werde, gibt Gott Mose und Aaron Anweisungen, was zu tun ist. Mit seinem „Passah“, mit seinem Vorübergehen, baut Gott eine Rettungsgasse für den Auszug seines Volkes aus Ägypten. Das Predigtwort für diesen Gründonnerstag steht im 2. Buch Mose, Kapitel 12:

Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland:
Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen.
Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus.
Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können.
Ihr sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend.
Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen.
Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr’s mit Feuer verbrennen.
So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passa.
Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der HERR.
Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage.
Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

III.

Gott macht mit seinem Volk einen Neuanfang. Der Passah-Monat soll daher der erste Monat im jüdischen Jahr sein. Als Symbol für diesen Neuanfang stiftet Gott das Lamm. Gott erwartet von seinem Volk, dass es sich mit Hilfe dieses Zeichens ebenfalls zu diesem Neuanfang bekennt. Ganz genau wird beschrieben, was die Israeliten zu machen haben: Sie sollen jeweils als Familie ein Lamm nehmen und es vorbereiten, bis es geschlachtet wird; mit dem Blut sollen sie den Türrahmen bestreichen; das Lamm wird gebraten und gegessen; nichts davon soll übrig bleiben.

Gott, der HERR, setzt mit der Bildung dieser Rettungsgasse einen Anfang. Die Reise ins gelobte Land geht jetzt los. Das Verzehren des Lamms bildet eine Grundlage für die lange und harte Reise; die bitteren Kräuter erinnern daran, dass der Weg nicht leicht wird; das schnell zubereitete ungesäuerte Brot ermahnt alle dazu, keine Zeit zu verlieren. Das Volk soll schon beim Essen bereit sein und sich entsprechend kleiden:

Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passah. Mit anderen Worten: Seid bereit, den Weg zur Erlösung zu gehen!

IV.
Jesus Christus greift in seinem Mahl mit den Jüngern und mit seinem Weg ans Kreuz die Botschaft auf. In Christus gibt Gott selbst sich als Opferlamm für uns.
Die Israeliten bestrichen die Tür zur Freiheit mit dem Blut des geschlachteten Lammes.

Jesus gibt sein Blut des neuen Bundes, des neuen Testamentes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Die Israeliten machen sich auf den Weg ins gelobte Land; Gott leitet sie. Und in Jesus Christus geht er uns voran und zeigt uns den Weg zur Seligkeit.
Jesus spricht: Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, dahin wisst ihr den Weg.

Und als daraufhin Thomas fragt: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?, da antwortet Jesus mit seinen berühmten Worten: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Seine gute Botschaft der Nächstenliebe ist der Weg zur Freiheit. An dieser guten Botschaft hält Jesus trotz allem, was ihm widerfährt, fest – trotz aller Schmähungen, Verleumdungen und Erniedrigungen auf dem Weg ans Kreuz und zur Auferstehung.

V.

Die menschlich gebotene Rettungsgasse in unseren Tagen ist einerseits, dass unsere Kontakte eingeschränkt werden. Die Ausbreitung des Virus muss verlangsamt werden, um die Schwächsten in der Gesellschaft – also Alte und Kranke, Obdachlose und Flüchtlinge – zu schützen. Und andererseits muss das Gesundheitssystem gestärkt und die Menschen, die dort ihren Dienst tun, müssen unterstützt werden. Diese Rettungsgasse wird Leben retten und unserer Gesellschaft helfen, wenn sich jeder verantwortlich und solidarisch verhält.

Aber auch die geistliche Rettungsgasse bleibt bestehen. Gerade an einem Gedenktag wie heute werden wir gewahr, wie Gott gerade in schier ausweglosen Situationen Hilfe und Beistand gewährt.
Wir können derzeit unsere Gottesdienste nicht gemeinschaftlich feiern. Wir können uns nicht am Tisch des Herrn versammeln. Aber wir erinnern uns daran, dass Gott die Plagen an den Häusern seines Volkes vorbeiziehen hat lassen.
Wir können – auch wenn wir leiblich nicht im Kreis stehen – daran festhalten, dass sich Christus für uns gegeben hat und uns beisteht. Wir können die Geschichte von der Fußwaschung lesen und uns vergegenwärtigen, dass Christus uns mit seinem Leben dient.

Besonders eindrücklich ist die Szene im Garten Gethsemane: Jesus betet und ringt mit seinem Vater im Himmel um seinen Weg. Und im Gebet kann er diesen schweren Weg annehmen.

Wachet und betet, sagt er zu den Jüngern, die ihn begleiten. Wachet und betet, das gilt uns Christen in diesen Tagen in besonderer Weise.

Jedenfalls ist der heutige Gedenktag auch und gerade in der Krise, die wir erleben, die geistliche Rettungsgasse Gottes für uns.

Denn in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: ‚Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.‘ Desselben gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, und dankte, und gab ihnen den und sprach: ‚Nehmet hin und trinket alle daraus; das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden‘.

Gott baut dem Volk Israel eine Rettungsgasse, um ihm den Weg zur Freiheit zu zeigen, und setzt das Passahfest ein: Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Gott schickt seinen Sohn als Lamm Gottes, um uns zu helfen. Jesus stiftet das Sakrament des Abendmahls, damit wir seiner guten Botschaft gedenken: Solches tut zu meinem Gedächtnis.

Jesus hält für uns die „Tür des Glaubens“ offen. Gott schafft die Rettungsgasse zu Freiheit und Erlösung.
Amen.

Predigtlied: KAA 096,1-3 Ich bin das Brot, lade euch ein

Fürbittengebet

Wir bitten für alle, die Christus nachfolgen,
dass sie in der Liebe zu Gott und den Menschen wachsen.
Wir rufen zum Herrn: Herr, erbarme dich!

Wir bitten für den Dienst der Kirchen,
dass Gottes Geist sie leite und stärke,
dass sie ihr Zeugnis und ihren Dienst an der Welt ausrichten
und dem Ruf ihres Herrn vertraut.
Wir rufen zum Herrn: Herr, erbarme dich!

Wir bitten für alle, denen Macht und Verantwortung anvertraut ist,
dass sie das Leben und das Wohl der Menschen fördern,
dass sie dem Frieden und der Gerechtigkeit dienen,
dass sie in allen Einschränkungen für Recht sorgen und die Freiheit bewahren.
Wir rufen zum Herrn: Herr, erbarme dich!

Wir bitten um eine verantwortungsvolle Gesellschaft,
um wechselseitiges Vertrauen und gegenseitige Achtsamkeit,
um Nächstenliebe und Ehrlichkeit in der Not,
um Hilfe und Unterstützung für alle, die in Schwierigkeiten geraten.
Wir rufen zum Herrn: Herr, erbarme dich!

Wir bitten für die Familien und für die Menschen in Heimen und Pflegeeinrichtungen,
dass sie einander achten und unterstützen,
dass sie Geduld und Liebe geben und erfahren,
dass sie vor Vernachlässigung und Gewalt bewahrt werden.
Wir rufen zum Herrn: Herr, erbarme dich!

Um das alles bitten wir dich, Gott,
durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und liebt in Ewigkeit.[1]

Vaterunser

Bitte um Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Von Sabine Meister und Gottfried Greiner aktualisierte und gekürzte Lesepredigt von 

Prädikant Thomas Paulwitz M.A.
Buch 50, 91350 Gremsdorf
Thomas.Paulwitz@elkb.de


Kategorien

Archiv

Top