Lesegottesdienst 10.04.2020 (Karfreitag)

Neben dem folgenden Lesegottesdienst gibt es auch einen Gottesdienst für zu Hause von unserer Schwandorfer Nachbargemeinde.

Wochenspruch

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Johannes 3,16

Der Gottesdienst

Eingangslied EG 91,4.7-9 Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

Eingangswort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Herr sei mit uns.

Die Glocken schweigen. Wir gedenken des Todes Jesu am Kreuz. Wir versuchen zu begreifen, wie Gott selber das Leiden auf sich genommen und den Tod durchbrochen hat. Der Evangelist Johannes versteht das so:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.[1]

Gebet

Jesus Christus, dein Kreuz:
Zeichen der Not, des Unrechts, des Todes,
und doch nicht das Ende deines Weges.
Lass es uns werden zum Zeichen der Hoffnung,
weil du lebst und wirkst in Ewigkeit.[2]
Amen.

Lesung aus dem Alten Testament: Jesaja 52,13-15; 53,1-12

Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –, so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren. Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart? Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Evangelium: Johannes 19,16-30

Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Apostolisches Glaubensbekenntnis (EG Seite 1150)

Wochenlied EG 85,1-4.8 O Haupt voll Blut und Wunden

Predigtwort – 2.Korinther 5, (14b-18)19-21 (wird während der Predigt gelesen)

Predigt

I.

Heute, am Karfreitag, geht es um Leben und Tod. Jesus stirbt am Kreuz.
Die Trauer nimmt heute einen großen Raum ein. Karfreitag ist wie ein großer Raum der Trauer, in den wir eintreten. In Jesu Tod am Kreuz spiegelt sich die ganze Traurigkeit der Welt:

Wer hier unter dem Kreuz weint, der weint um die Welt, um jeden Menschen, der verspottet, gedemütigt, gefoltert und getötet wird.

Wer hier unter dem Kreuz weint, der weint um jeden Menschen, der leidet und stirbt, ob an Corona oder Krebs, ob auf der Flucht oder im Krieg.

Wer Karfreitag weint, weint um die Welt und auch um sich selbst, denn es ist nicht so, wie es sein sollte, wie es um Gottes Willen sein sollte.

II.

Es ist nicht so, wie es nach Gottes Willen sein sollte: Die Bibel nennt das „Sünde“. Sünde im Sinn der Bibel meint: Wir lassen Gott, den Herrn, nicht Gott sein. Wir leben so, als wären wir die Herren unseres Lebens und dieser Welt. Wir leben so, als bräuchten wir Gott nicht:  wir haben ja selber alles – wenigstens bei uns in unserer westlichen Wohlstandswelt.

Dann und wann holen wir ihn heraus aus der Ecke, in den wir ihn gestellt haben. Wie jetzt in der Corona-Krise und stellen fest: mit unserer Macht ist nichts getan. Wir sind einem unsichtbaren Virus ausgeliefert; sind abhängig davon, dass sich alle solidarisch verhalten und zuhause  bleiben; sind abhängig davon, dass die Politik Maßnahmen ergreift, die alle schützt; sind abhängig davon, dass es Werte und ethische Grundsätze gibt, die die Würde  und das Überleben eines Menschen nicht von Geld oder dem Geburtsdatum abhängig machen; sind abhängig davon, dass Forscher Heilmittel und Impfstoffe finden. Wir sind nicht die Herren über Leben und Tod; wir sind nicht wie Gott.

III.

Der Apostel Paulus schreibt in seinem zweiten Brief an die Korinther einiges, das auch uns heute helfen kann. Wir hören die Worte aus dem 5. Kapitel:

Denn: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Zwei Dinge stellt Paulus in den Mittelpunkt:

Es geht um Versöhnung. Und es geht um Gerechtigkeit. Beides sind Werte, die unsere Gesellschaft auch in diesen Zeiten braucht:

In Krisenzeiten ist Versöhnung eine Voraussetzung dafür, dass man gemeinsam handeln kann. Es hilft nicht, sich gegenseitig vorzurechnen, wer schon alles in Vorleistung gegangen ist – weder in der Partnerschaft und in der Familie noch in der Politik. Es hilft nicht, sich gegenseitig vorzuhalten, was man hätte besser machen müssen, wer wieviel Schuld an welchen Umständen hat. In Krisenzeiten hilft nur, sich zu versöhnen – auch wenn manches unversöhnt bleiben muss.

Gerechtigkeit ist dabei ein hohes Gut, das doch gleichzeitig so gefährdet ist. Und je gerechter man manches machen will, desto mehr neue Ungerechtigkeiten tun sich auf. Da sollen – um nur ein Beispiel zu nennen – durch ein Gesetz die geschützt werden, die jetzt unverschuldet ihre Miete nicht mehr zahlen können; und die ersten, die das in Anspruch nehmen sind Großunternehmen, die noch vor wenigen Tagen auf Aktionärsversammlungen ihre Milliardengewinne präsentiert haben.  Gerechtigkeit wird auf Erden nie vollkommen sein.

Doch Paulus stellt Versöhnung und Gerechtigkeit in einen anderen, einen viel umfassenderen Zusammenhang: Versöhnung und Gerechtigkeit – das sind zuallererst keine menschlichen Leistungen, sondern sind ein göttliches Geschenk. Versöhnung und Gerechtigkeit gehen von Gott, von Christus, vom Kreuz aus.

IV.

Paulus erklärt: Gott war in Christus. In ihm gibt er sich selbst hin für uns, damit Versöhnung zwischen Gott und uns geschehen kann. Weil er sieht: Die Sünde, unser ständiges Drehen um uns selbst, all das hält uns gefangen. Wir sind nicht frei. Wir verheddern uns darin wie in einem Gestrüpp und kommen allein nicht mehr heraus.

Gott aber will, dass wir frei werden. Und darum geht er einen neuen Weg. Einen Weg, den Paulus so beschreibt: Gott versöhnte die Welt mit ihm selber.

Das heißt: Gott verändert die gestörte Beziehung zwischen ihm und uns. Von ihm geht das aus. Nicht von uns. Er sucht die Versöhnung, ohne dass wir auf ihn zugehen. Er geht den Weg auf uns zu.

Und dieser Weg führt ihn in die tiefsten Tiefen, eben bis ans Kreuz. Gottlos ist diese Welt oft, weil wir Gott vergessen. Aber sie ist nicht gottlos, weil Gott sich aus ihr verabschiedet hätte. Ganz im Gegenteil: Er geht in Christus auf uns zu und kommt uns so nah wie nur möglich. Alles, um uns wieder mit sich zu versöhnen. Um uns herauszuholen aus dem, was uns gefangen hält. Er sucht uns, wenn wir uns verlieren. Er macht den ersten Schritt, wenn wir nicht vergeben können. Er befreit uns, wenn wir uns selbstgerecht und selbstgefällig um uns selbst drehen. So sehr liegen wir ihm am Herzen, dass Gott in Christus für uns in den Tod geht. Alles gibt er für uns.

V.

Am Karfreitag geht es um Leben und Tod. Christus geht für uns in den Tod. So kommt zu der Trauer über seinen Tod die Trauer über unser Leben hinzu: So sind wir. Verloren, weil wir Gott nicht ernst nehmen. Er aber nimmt uns ernst, nimmt unser Leben ernst und unser Verlorensein. Und dann steht das Kreuz da. Es zeigt uns, wie Jesus stirbt.

Das Kreuz ist mehr als ein Zeichen des Todes. Denn Gott hängt unsere Sünde, alle Gottesferne an dieses Kreuz. Jesus nimmt sie mit in den Tod. Gott räumt weg, was wir aufhäufen an Beziehungsstörung. Und so wird das Kreuz nicht nur zum Zeichen des Todes und der Sünde. Es wird für uns zum Zeichen der Versöhnung, zum Zeichen des Lebens:

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. … Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

So macht Gott uns gerecht. Das ist die Gerechtigkeit Gottes.
Lasst euch versöhnen mit Gott!

Blickt weg von euch selbst hin zu dem, der alles auf sich genommen hat.
Nehmt Gottes Angebot der Versöhnung und des Lebens an. Er hat alles gegeben für uns.

VI.

Am Karfreitag geht es um Leben und Tod.

Wer Karfreitag weint, weint um die Welt und auch um sich selbst, denn es ist nicht so, wie es sein sollte, wie es um Gottes Willen sein sollte.

Wer Karfreitag weint und auf das Kreuz schaut, der sieht am Kreuz Gott ins Angesicht: Gott sagt: es ist genug, es ist vollbracht. Lass dich versöhnen, werde Botschafter und Botschafterin von der Versöhnung und der Gerechtigkeit. Mitten in einer Welt, die nichts mehr braucht als Frieden und Versöhnung.

Christus stirbt am Kreuz, damit wir leben können, versöhnt mit Gott und Menschen.

Amen.

Predigtlied: EG 93, 1-4 Nun gehören unsre Herzen

Fürbittengebet

Heiliger Gott! Als dein Sohn am Kreuz schrie, als der Vorhang im Tempel zerriss, da war alles zu Ende. Du aber hast in deiner Macht und Gnade aus dem Tod neues Leben geschaffen. Sein Kreuz schenkt Versöhnung. Sein Wort ruft uns zu seiner Gemeinde. Sein Geist gibt Kraft zum Glauben, Hoffen und Lieben.

Weil du von Ewigkeit her ein treuer Gott bist, bitten wir dich um Frieden für dein Volk Israel und rufen dich an für deine Kirche in aller Welt und für alle christlichen Gemeinden und Gemeinschaften.
Herr, erbarme dich.

Weil du von Ewigkeit her ein gerechter Gott bist, rufen wir dich an für alle, die Verantwortung tragen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und nach Lösungen und Impfstoffen suchen in dieser Zeit.
Herr, erbarme dich.

Weil du von Ewigkeit her ein barmherziger Gott bist, rufen wir dich an für alle Menschen in Not: für die Menschen in Alten- und Pflegeheimen, für die Erkrankten und Isolierten, für die Verängstigten und Vereinsamten und für die Sterbenden.
Herr, erbarme dich.

Weil du von Ewigkeit her ein barmherziger Gott bist, rufen wir dich an für alle Menschen ohne Obdach und Heimat, für die Menschen in Asylunterkünften und für alle, die in diesen Tagen über Grenzen gehen müssen.
Herr, erbarme dich.

Weil du von Ewigkeit her ein barmherziger Gott bist, rufen wir dich an für die Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Arbeitsuchenden, für alle, die in der Krankenpflege und den Krankenhäusern arbeiten, für alle, die als Rettungskräfte bei Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr arbeiten.
Herr, erbarme dich.

Du, heiliger und gütiger Gott, bist von Ewigkeit her unser Gott. Wir leben, weil du es willst. Wir glauben, weil du uns beschenkst. Wir hoffen, weil du uns liebst. Wir sterben, wenn du uns rufst. Weil du uns für dein ewiges Reich erwählt hast, rühmen und loben wir dich, mit allen Geschöpfen auf dieser Erde und allen Engeln der himmlischen Welt – dich, den dreieinigen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.[3]
Amen.

Vaterunser

Bitte um Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Von Sabine Meister und Gottfried Greiner aktualisierte und gekürzte Lesepredigt von
Pfarrer Randolf Herrmann
Petersdorfer Str. 2, 91629 Weihenzell
randolf.herrmann@t-online.de


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