Lesegottesdienst 10.05.2020 (Kantate)

Wochenspruch

Singet dem HERRN ein neues Lied,
denn er tut Wunder.

Psalm 98,1

Der Gottesdienst

Eingangslied EG 165, 1-4 Gott ist gegenwärtig

Eingangswort:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Der Herr sei mit uns.

Kantate – Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Zurzeit wird empfohlen, auf das Singen in Gruppen zu verzichten. Interessant zu wissen, dass Singen einen größeren Radius hat als das Sprechen. In diesen Zeiten ist das gefährlich, weil man durch das Singen auch mehr Viren verbreitet als beim Sprechen. Ein Wunder bleibt es, dass der Mensch neben dem Sprechen auch die Möglichkeit hat, sich singend auszudrücken. Das größte Wunder hat der Herr getan, als er Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Bei ihm finden wir Ruhe für unsere Seelen, bei ihm können wir aufatmen und frei sein.

Gebet

Gott, dich preisen unsere Lieder
leise und laute, gesummte und gespielte Weisen.
Dein Wort schenkt uns Freude und Zuversicht.
Es tröstet und stärkt uns.
Hilf uns durch deinen Geist,
dass wir dich loben
und dich verherrlichen mit unserem Leben.
Erhöre uns um deiner Liebe willen.
Amen.

Epistel: Kolosser 3,12-17

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;  und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Evangelium: Lukas 19,37-40

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Apostolisches Glaubensbekenntnis (EG Seite 1150)

Wochenlied EG 302,1-4.8 Du meine Seele, singe

Predigtwort 2.Chronik 5,2-512-14 (wird während der Predigt gelesen)

I.

Ab heute dürfen wieder Gottesdienste gefeiert werden. Nach acht Wochen ohne Gottesdienst, ohne Kirchgang an Karfreitag und Ostern, ohne Abendmahlsgottesdienste, ohne Konfirmationen. Nach so langer Zeit ohne gemeinsames Singen und Beten kommen heute endlich an vielen Orten Menschen wieder zusammen, um Gott zu loben und sein Wort zu hören.

Es war eine besondere Zeit des Verzichts, des unfreiwilligen Verzichts. Was haben Sie am meisten vermisst?

Den Gottesdienst mit Glockenläuten und Kerzen und feierlicher Stimmung, weil ein Sonntag ohne diese Feier kein richtiger Sonntag ist?

Oder die Kirche, mit ihrer schönen Architektur, den besonderen Kirchenraum, die Orgelmusik, die schönen Lieder?

Haben Sie es – trotz Fernseh- und Radiogottesdiensten – vermisst, zur Ruhe zu kommen vor Gott?
Fiel es allein zu Hause schwerer, zu beten und auf das Wort Gottes zu hören?

Oder fehlte Ihnen der Segen am Ende des Gottesdienstes?

So manchen ist möglicherweise klar geworden, warum der Gottesdienst, der sonntägliche Kirchgang für sie unersetzlich ist.

Martin Luther hat den Sinn den Sinn des Kirchengebäudes und damit auch des Gottesdienstes einmal so beschrieben: „Es soll dies Haus dahin gerichtet sein, dass nichts anderes darin geschehe, denn dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort, und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang“.

II.

Gott redet und wir antworten mit Gebet und Lobgesang. Genau das ist geschehen vor vielen hundert Jahren. Damals ließ Salomo, der Sohn und Nachfolger von König David, für Gott ein Haus in Jerusalem errichten. Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde es eingeweiht.

Wir hören das Predigtwort aus dem 2. Buch der Chronik:

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.
12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

III.

Gleich zweimal wird im Alten Testament von diesem wichtigen Ereignis berichtet: im 1. Buch der Könige und hier in unserem Predigtwort. In einer feierlichen Prozession wird die Stiftshütte mit allen heiligen Geräten samt der Bundeslade zum neu erbauten Tempel getragen. So wie das Volk Israel in Jerusalem und Umgebung einen Platz gefunden hat, wo es wohnen kann, so ist auch die Zeit des Mitwanderns der Bundeslade vorbei. Sie ist endlich angekommen: im Allerheiligsten des Hauses Gottes, und mit ihr die beiden steinernen Gebotstafeln. Damals in der Zeit der Wüstenwanderung hatten sie den Bund zwischen Gott und seinem Volk besiegelt. Sie besiegeln auch die für immer ins Gedächtnis der Israeliten eingebrannte Erfahrung, dass und wie Gott sein Volk aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat. Der Weg in die Freiheit und die Begleitung durch Gott auf dem Weg – das sind die prägenden Ereignisse für das Selbstverständnis des Volkes Israel. Das Zeichen für die Begleitung war die Wolke, in der Gott vor ihnen herging und ihnen den Weg zeigte – ein verlässliches, unmissverständliches Zeichen.

Zwischen dem Bericht über die Zeit der Könige Israels und dem zweiten Bericht in 2. Chronik 5 liegt eine lange Zeit, in der ebenfalls viel passiert ist. Hinter dem Volk Israel liegt wieder eine neue Erfahrung der Wüstenzeit. Wieder ist Gottes Volk in eine notvolle Situation geraten, aber diesmal aus eigenem Verschulden. Die Verantwortlichen sind von den Wegen Gottes abgewichen und haben die Gebote Gottes missachtet. Dieses Verhalten führte in die Katastrophe: ein großer Teil des Volkes wurde ins Exil nach Babylon weggeführt. Dort in der Verbannung wurde ihnen bewusst, was sie getan hatten. Und zugleich waren sie hin und hergerissen zwischen Glauben und Zweifeln – zwischen dem Glauben, dass Gott sie nicht vergisst, und den Zweifeln, ob er sich nicht doch endgültig von ihnen abgewandt haben könnte. Doch auch wenn die Menschen den Bund mit Gott verlassen haben – Gott wird ihn niemals aufgeben. Er steht unverbrüchlich zu dem, was er einmal zugesagt hat: Ich will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. Und dann erfahren sie wieder neu: Gott ist ein Gott, der in die Freiheit führt. Sie dürfen zurückkehren nach Jerusalem. Die Lade mit den beiden Gebotstafeln im Allerheiligsten des Tempels hält ihnen diese Erfahrung bei jedem Gottesdienst, den sie dort feiern, im Gedächtnis.

Im Rückblick auf diese zweite Erfahrung der Befreiung schreibt der Chronist die Geschichte vom Bau des Tempels durch Salomo noch einmal neu. Und es ist, wie wenn für ihn beim Nachdenken auch der Name Salomo plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommt. In dem Namen steckt das hebräische Wort „schalom“ – „Friede“. Aus diesem Blickwinkel heraus versteht er die Verheißung eines Sohnes an seinen Vater David neu: Siehe, der Sohn, der dir geboren werden soll, wird ein Mann der Ruhe sein; denn ich will ihm Ruhe schaffen vor allen seinen Feinden ringsumher. Er soll Salomo heißen; denn ich will Israel Frieden und Ruhe geben, solange er lebt. Und dieser Salomo darf ausführen, was seinem Vater David verwehrt geblieben ist: dem Namen Gottes ein Haus zu bauen.

IV.

Was für ein erhebender Augenblick muss es für Salomo gewesen sein, als dieses Haus des Herrn vollendet vor ihm steht. Doch er wird nicht überheblich. Er weiß: Der Himmel und aller Himmel können Gott nicht fassen; wie sollte es dann dieses von Menschen erbaute Haus tun? Aber es ist genug, wenn Gott seine Augen offen hält über diesem Haus, wenn er seinen Namen darin wohnen lässt und auf die Gebete hört, die darin an ihn gerichtet werden. Denn, so weiß Salomo: die eigentliche Wohnstätte Gottes ist der Himmel. Er braucht kein Haus, keine Wohnung auf Erden. Aber die Menschen brauchen einen Ort, wo sie Gott begegnen können.

Und genau das geschieht bei der feierlichen Einweihung des Tempels. Salomo greift dabei auf erfahrene Sänger und Musiker zurück, die auch sein Vater David schon geschätzt hatte. Eine überwältigende Zahl, ein beeindruckender Klang muss es gewesen sein – wie bei der Aufführung eines Bach-Oratoriums heute. Doch dass die Menschen Gottes Gegenwart erfahren, dass er mit seiner Herrlichkeit das Haus erfüllt, das kann trotz sorgfältiger Vorbereitung und Durchführung der Feier niemand machen.

Und so kann man nur mitstaunen, sich mitfreuen über das Wunder, das da geschieht: Dass alle Sänger und Musiker miteinander Gott wie mit einer Stimme loben und gemeinsam einstimmen in den Gesang: Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig. Und wieder ist es eine Wolke, die Gottes Dasein anzeigt. Sie schlägt den Bogen von der Begleitung Gottes in der Wüstenzeit zum Tempel als Ort der Gegenwart Gottes.

V.

Gott ist gegenwärtig“ so empfindet der Mystiker Gerhard Tersteegen vor 200 Jahren das, was er im Gottesdienst erlebt; was ihm am Gottesdienst wichtig ist:

Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.

Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm beuge.

Gott ist gegenwärtig. Punkt. Gott ist in der Mitte. Punkt. Keinen Zweifel lässt er an dem, was Christus versprochen hat: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Das geschieht im Gottesdienst. Wir vergewissern uns der Gegenwart Gottes. Wir hören, was Gott uns sagt und wir antworten ihm mit unserem Gebet. So wird in diesem Hören und Reden der Kirchenraum erfüllt mit der Anwesenheit Gottes.

So haben es Salomo und das Volk Israel bei der feierlichen Einweihung des Tempels erlebt. So hat es Martin Luther beschrieben. Dahin geht unsere Sehnsucht.

Dass Gott in unserer Mitte gegenwärtig ist, wenn wir in seinem Namen miteinander Gottesdienst feiern.
Dass wir ihn hören können – durch ein Wort, das uns anspricht.
Dass wir ihn spüren, indem er uns im Innersten anrührt.
Und dass wir ihm – im Sinne Martin Luthers – antworten mit unsern Liedern und Gebeten.

Wir haben es nicht in der Hand, dass und wie Gott sich erfahren lässt. Wir können ihn nicht herbeizwingen – weder durch großartige Kirchenarchitektur, noch durch rauschende Orgelklänge oder großartigen Chorgesang.

Es ist Gottes Geistkraft, die in uns wirkt, wenn wir wie ein Resonanzkörper durch Gottes Wort berührt zum Klingen kommen. Dann schwingen wir uns ein in das Lob über Gottes Güte und Barmherzigkeit.

Heute am Sonntag Kantate sollen wir eigentlich singen. Heute – in der Zeit der Pandemie – aber sollen wir nicht singen – jedenfalls nicht miteinander. Wenn wir miteinander nicht laut singen dürfen, dann tun wir es eben allein oder im Herzen. Wenn wir miteinander nicht laut singen dürfen, dann soll unser Schweigen das neue Lied sein. So wie es Gerhard Tersteegen es dichtet:

Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm beuge.

Es wird die Zeit kommen, wo wir wieder singen werden und einstimmen in den Chor aller Engel:
Halleluja singe, welcher Christus nennet, sich von Herzen ihm ergibet. O wohl dir! Glaube mir: endlich wirst du droben ohne Sünd ihn loben.
Amen.

Predigtlied: EG 327,1-4 Wunderbarer König

Fürbittengebet

Herr, unser Schöpfer,
du bist der Komponist unseres Lebens.
Lehre uns, das Leben zu singen als Loblied für dich,
dass wir in all unseren Nöten deine Noten, deine Handschrift erkennen,
darum rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.

Herr, unser Erlöser,
du hältst auch die schrägen Töne unseres Lebens aus,
du erträgst die ganze Zerrissenheit unserer Welt.
In deine Hände legen wir, was für uns auseinanderfällt:
die Blüten im Frühling – und die vielen Corona-Toten auf der Welt,
das Zwitschern der Vögel – und die Einsamkeit der Alten in den Heimen.
Den wohltuenden Regen im Mai – und die Trauer über abgesagte Feste.
Herr, das alles bringen wir nicht zusammen!
Darum rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.

Herr, unser Tröster, du bist auch in den leisen Tönen:
im Summen der Bienen und im Zwitschern der Vögel,
im Lied der Kinder und im Brummen der Verwirrten,
Wir leben davon, dass du unserer Seele den Klang deiner Schöpfung schickst,
dass du den langen Atem der Hoffnung schenkst,
damit wir nicht unter den Sorgen ersticken.
Dein Plan mit uns und mit der ganzen Welt
kommt doch zum Ziel.
Amen.

Vaterunser

Bitte um Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden.

Von Sabine Meister und Gottfried Greiner aktualisierte und gekürzte Lesepredigt von
Pfarrerin Gudrun Saalfrank
Maxplatz 6,m95028 Hof
Gudrun.Saalfrank@dreieinigkeit-hof.de


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