Lesegottesdienst 21.06.2020 (2. So. nach Trinitatis)

Wochenspruch

Christus spricht: Kommt her zu mir,
alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.

Matthäus 11,28

Der Gottesdienst

Eingangslied EG 454,1-6 Auf und macht die Herzen weit

Eingangswort:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Der Herr sei mit uns.

Heute, am zweiten Sonntag nach Trinitatis, hören wir von Gottes großer Einladung: Kommt!

Gott lädt uns ein, durch Jesus Christus lädt er alle Menschen ein, auch und gerade die, die Lasten zu tragen haben:

Kommt her zu mir,
alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.

Gebet

Herr Jesus Christus, du lädst alle ein, die beladen sind:
die belastet sind mit Sorgen: um die Welt, um andere, um sich selbst;
die sich nur mühsam bewegen können und unter Schmerzen leiden,
die schwer zu tragen haben an ihrer Verantwortung,
die leiden unter dem Hass anderer.

Hier bin ich – hier sind wir.
Erquicke uns durch dein Wort,
erfrische uns an Geist und Seele,
schenke Kraft den müden Körpern.
Lass uns dein Wort hören und deinen Ruf vernehmen,
dass wir uns bergen können in deiner Liebe und Ruhe finden für unsere Seelen.
Das bitten wir dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist
lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Lesung aus dem Alten Testament: Jesaja 55,1-5

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.

Evangelium: Lukas 14,16-24

Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.

Apostolisches Glaubensbekenntnis (EG Seite 1150)

Wochenlied EG 213, 1-4.6 Kommt her, ihr seid geladen

Predigtwort Matthäus 11,25-30

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Predigt

I.

Kommt her zu mir, alle – dieser Ruf Jesu scheint nicht so richtig in unsere Zeit zu passen: Offene Arme, große Einladungen – das geht immer noch nicht.  „AHA“ – heißt die Antwort auf jede Form der Einladung: AHA, Abstand, Hygiene, Atemmaske. Händeschütteln vor dem Gottesdienst oder gar Umarmungen – geht nicht. Sich neben die Freundin aus dem Chor, neben den Nachbarn, oder den Patenonkel in die Kirchenbank setzen – geht nicht.

Nicht nur die Mühseligen und Beladenen, auch die Fröhlichen und Dankbaren warten noch auf die große Einladung – zur Konfirmation und zur Hochzeit und zur Taufe.

Hoffnung verspricht die „Corona-Warn-App“. Sie macht keine Kranken gesund, sie verhindert auch nicht die Ansteckung mit dem Corona-Virus, sie verpflichtet zu nichts – und dennoch ist sie heiß ersehnt worden. Im Kampf gegen diesen unsichtbaren Feind kann sie helfen, die Ausbreitung zu verhindern. Wer erkrankt, kann andere damit warnenanonym und in aller Freiwilligkeit. Die Erkrankten und die Gewarnten können damit ihren Beitrag dazu leisten, dass das Virus sich nicht unerkannt und unbeabsichtigt weiter ausbreitet.

Hoffnung versprechen auch die vielen Versuche von Kirchengemeinden, den Ruf Jesu trotz der vielen Beschränkungen weiterzusagen.

Kirchen sind geöffnet für die „Mühseligen und Beladenen“, damit sie sich bergen können in diesem Haus, das Gotteshaus genannt wird; damit sie für einen Moment Ruhe finden für ihre Seelen, wie Jesus es in Aussicht stellt;

Gottesdienste, ja sogar Taufen sind möglich. Kommt her zu mir, alle, lädt Jesus ein. Er ist da im Gottesdienst, mitten unter den Menschen. Die Abstände werden zu „Zwischen-Räumen“, in denen das Wesentliche passiert. Gott ist „zwischendrin“ zwischen den Menschen. Im Wort, das nicht bleibt bei dem, der es spricht, sondern mit dem Schall fliegt zu denen, die es hören. Im großen Kreis um den Taufstein ist Platz für Freiheit, auch die Freiheit des Geistes, der weht, wo er will. In den leisen Tönen ist Gott, im sanftmütigen, achtsamen Umgang miteinander, im offenen Augen-Blick.

Seelsorge ist möglich. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, sagt Jesus. In der Seelsorge, ob am Telefon oder am Krankenbett, bieten Menschen an, das Joch mitzutragenim Hören der Leidensgeschichte, im Schweigen, im Aushalten, manchmal auch mit einem Rat.

II.

„Danke. Das war genau das, was ich heute gebraucht habe.“

Manchmal sagen Menschen das nach einem Gottesdienst. Auf Nachfrage bleibt es offen, was genau es war, was geholfen hat. War es die Predigt, vielleicht ein Abschnitt oder nur ein Satz daraus? Oder waren es die Gebete, die Lieder, die Musik, die getröstet oder beschwingt haben? Schwer zu sagen. Aber irgendwas in diesem Gottesdienst hat das Herz getroffen und das Gefühl vermittelt: Ich bin gemeint, ich mit meiner Situation, meinem Ärger oder meiner Trauer.

Jesus sagt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Er sagt nicht: „Kommt her zu mir alle, die ihr noch tiefer in die Trinitätslehre eintauchen wollt, ich will sie euch erklären.“

Obwohl gerade der heutige Abschnitt über fast zwei Jahrtausende als eine Begründung für Trinitätslehre galt. Denn Jesus spricht hier über die Wesenseinheit von Vater und Sohn.

Jesus sagt auch nicht: „Strengt euch halt ein bisschen an, dann werdet ihr’sschon schaffen.“ Oder „Kommt her zu mir und macht, was ich euch sage, dann wird alles gut.“

Manchmal tut man alles, was man kann, versucht ein guter Mensch zu sein, Nächstenliebe zu leben und trotzdem passiert Schlimmes, man wird krank oder der Partner stirbt.

Jesus sagt– in der Übersetzung der Basisbibel – „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden. Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Dann wird eure Seele Ruhe finden. Denn mein Joch ist leicht. Und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.“

Kommt! Die Einladung steht. Die Einladung ist offen für alle alt oder jung,mutig und verwegen oder schüchtern und ängstlich. Ob du nur so strotzt vor Kraft oder verzagt bist, ob krank oder gesund, voller Vertrauen oder voller Zweifel, ob du frisch verliebt bist oder auf der Suche nach Liebe. Kommt alleIhr, die ihr voll guter Ideen seid, mit eurem Optimismus und Hoffnung auf eine bessere Welt; und ihr, die ihr tragt an Schuld oder an eigener und fremder Not. Kommt her – so spricht Christus, der Freund und Heiland der Menschen.

III.

Ochsen haben früher das Joch getragen. Das Joch wurde ihnen aufgelegt, damit sie schwere Karren zogen oder den Pflug und damit den Acker umgruben.

Menschen ein Joch aufzulegen, ist menschenverachtend. Menschen ein Joch aufzulegen, sie zu zwingen, schwere Lasten und Wägen zu ziehen, heißt, sie wie Tiere zu behandeln, ihnen die Menschenwürde zu nehmen.

Bilder davon gibt es aus der Kolonialzeit, auch der deutschen Kolonialgeschichte. Schreckliche Bilder, die bis heute nachwirken. „Black lives matterschwarze Leben zählen, steht auf den Plakaten der vielen Demonstrationen weltweit. Beschämend ist es, dass man bis heute daran erinnern, darauf pochen muss, dass jedes Leben zählt, dass alle Menschen in ihrer Würde gleich sind. Diese Plakate sind ein erschütterndes Zeugnis davon, wie lang der Arm der Geschichte von Kolonialismus und Rassismus bis in die Gegenwart ist.

Jesus legt niemandem ein Joch auf. Das Joch freiwillig aufzunehmen, sich selbst unter das Joch zu stellen ist eine Zumutung, eine Provokation. Kein Joch ist sanft oder leicht. Genauso wenig wie das Kreuz. Unmenschlich ist es, von anderen zu fordern, „dass man halt sein Kreuz tragen müsse“. Genauso schlecht ist die gutgemeinte Redewendung: Wem Gott eine Last auflegt, dem hilft er auch.“ Nicht jede Last ist gottgewollt: nicht die Gewalt, die ein einzelner Mensch oder eine ganze Menschengruppe erleidet, auch nicht Verfolgung oder Vernichtung. Was Menschen einander antun in Bosheit und Hass ist nicht Gottes Wille. Das Joch von Gewalt und Unterdrückung kommt nicht von Gott.

Im Gegenteil: Wir lesen in der Bibel, wie Jesus an der Seite der Menschen steht, die Lasten zu tragen haben, die unter dem Joch einer Krankheit leiden, die hungern; wir lesen von Jesu Verheißung, von seinen Seligpreisungen der Leidtragenden und der Verfolgten, aber auch von seiner Verheißung für die Friedenssucher.

Jesus hat deren Leid geschultert, ist mit ihnen gewesen.

Das ist das Joch, das Jesus hier meint: Nimm das Joch auf, unter dem ein anderer leidet; kümmere dich um den unter die Räuber  Gefallenen, mach den Mund auf gegen Gewalt, gib denen eine Stimme, die nicht mehr schreien können.

Es ist nicht so schwer wie du denkst. Du bist nicht allein. Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht, verheißt Jesus.

IV.

Den Weisen und Klugen ist es verborgen, den Unmündigen ist es offenbart. Mit diesem Widerspruch leitet Jesus seinen Heilandsruf ein. Es ist unlogisch, es ist in unseren Augen nicht klug und manchmal auch nicht sehr weise, wie Jesus sich den Menschen aussetzt und ihr Joch auf sich nimmt. Die Unmündigen aber begreifen es. Die Unmündigen, das sind nicht nur die Kinder, sondern zur ZeitJesu auch die Sklaven gewesen, eben die, die keine Stimme in der Gesellschaft haben, den Mund nicht auftun dürfen. Diese Stummen und Beladenen ruft Jesus: zu: Ich will euch erquicken.

„Danke. Das war genau das, was ich heute gebraucht habe.“

Wir haben es nicht in der Hand, dass ein Gottesdienst, ein Gespräch, eine zarte Berührung so hilft. Es wird nicht offensichtlich, nicht für alle offenbar, wo Gottes Wort einen Menschen berührt und erfrischt, Ruhe oder Kraft gibt.

Niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

Fast wie bei der Corona-Warn-App. Es geschieht im Verborgenen. Manchmal so verborgen, dass der Eine niemals vom Anderen erfährt. Ob es mein Wort war, das dem anderen geholfen hat, ihn getröstet, sie gestärkt hat oder die gar die Lebensrichtung hat ändern lassen – ich erfahre es nicht, muss es auch nicht erfahren. Die Zeugen dafür sitzen hier in der Kirche oder zuhause in der Stubevor dem Fernsehgottesdienst, dort wo gearbeitet wird oder im Zimmer eines Altenheims. Hier in unserem Land oder an einem anderen Ort auf der Erde. Sie sorgen für Menschen, die ihnen anvertraut sind, führen ein Unternehmen oder genießen ihre Rente. Aber wenn sie einmal mit jemandem ins Gespräch kommen, spürt das Gegenüber bald, dass sie sich auf eine Kraftquelle verlassen, die nicht aus ihnen selbst kommt. Vielleicht erzählen sie dir, wie sie sich in ihrem Leben auf Christus verlassen, der sie begleitet, der bei ihnen ist, als Bruder, als Hirte, als Freund, als Retter.

In mir wächst dann die Sehnsucht weiter. Wenn ich den Ruf Jesu höre, spüre ich: Hier bin ich richtig. Hier bin ich willkommen. Hier finde ich Ruhe für meine Seele.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Amen.

Predigtlied: EG 363,1-4.7 Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn

Fürbittengebet

Herr, du lädst uns ein, zu dir zu kommen.
Wir bitten dich für deine Kirche und deine Gemeinde:
Für eine glaubwürdige und fröhliche Verkündigung.
Für offene Türen für alle Menschen.
Herr, erhöre uns!

Wir bitten dich für die Menschen in unserer Nachbarschaft, in unserer Stadt:
Für Respekt und Achtung voreinander.
Für Leidenschaft und Engagement zum Wohl aller Bürger und Bürgerinnen.
Herr, erhöre uns!

Wir bitten dich für die Menschen, die krank sind:
Für eine gute Behandlung an Leib und Seele.
Für Ruhe und Geduld.
Herr, erhöre uns!

Wir bitten dich für Frieden:
Für Gerechtigkeit und Achtung vor dem Leben.
Für Wege der Vergebung und des Neuanfangs.
Herr, erhöre uns!

Wir bitten dich für uns selbst:
Für die richtigen Schritte im Leben.
Für Vertrauen in dich
und den Vater
durch den Heiligen Geist
heute und in Ewigkeit.
Amen.

Vaterunser

Bitte um Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden.

Von Sabine Meister und Gottfried Greiner bearbeitete und aktualisierte Lesepredigt
von Pfarrer Dr. Alexander Reichelt
MartinLutherPlatz 7A, 91781 Weißenburg
E-Mail: alexander.reichelt@elkb.de


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