Lesegottesdienst 26.07.2020 (7. So. nach Trinitatis)

Wochenspruch

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Epheser 2,19

Der Gottesdienst

Eingangslied EG 420,1-5 Brich mit den Hungrigen dein Brot

Eingangswort:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Der Herr sei mit uns.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
Wir sitzen am Tisch des Herrn. Gott macht uns zu Mitbürgern und Hausgenossen. Wir gehören dorthin – an Gottes Tisch, in sein Haus. An Gottes Tisch wird unser leiblicher und seelischer Hunger gestillt.
Als Mitbürger und Hausgenossen Gottes geben wir weiter, was wir empfangen haben: Brot und Gerechtigkeit, Liebe und Hoffnung.

Gebet

Lieber Vater, barmherziger Gott,
zu Mitbürgern und Hausgenossen machst du uns.
Du schenkst uns das tägliche Brot und gibst,
was wir zum Leben brauchen.
Gib uns offene Augen und Herzen,
einen wachen Verstand und hilfreiche Hände,
damit wir deine Liebe weitergeben in Wort und Tat.
Durch Jesus Christus, unseren Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Lesung aus dem Alten Testament: 2.Mose 16,2-3.11-18 Speisung mit Wachteln und Manna

Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. Und die Israeliten sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst. Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin.

Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. Und als der Tau weg war, siehe, da lag’s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. Das ist’s aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte.

Und die Israeliten taten’s und sammelten, einer viel, der andere wenig. Aber als man’s nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

Evangelium: Joh 6,1-15 Die Speisung der 5000

Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.

Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.

Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.

Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.

Apostolisches Glaubensbekenntnis (EG Seite 1150)

Wochenlied EG 320,1-8 Nun lasst uns Gott dem Herren

Predigtwort Hebräer 13,1-3

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.

Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

Predigt

I.

Wir alle sehnen uns nach Liebe. Uns ist die Sehnsucht danach in die Wiege gelegt. Ohne Liebe gedeihen wir nicht; ohne sie erscheint vielen Menschen das Leben leer und traurig. – Es ist leicht, Menschen zu lieben, die uns ähnlich sind. Es ist erfüllend, Menschen zu lieben, die uns nahestehen. Und wie prickelnd ist es, Menschen zu lieben, die wir attraktiv finden! Und wunderbar, wenn diese Liebe erwidert wird.

So romantisch geht es in unserem Predigtwort nicht zu! Dort geht es nicht in erster Linie um das Geliebt-Werden. Gemeint ist auch nicht unsere Liebe zu uns nahe stehenden oder sympathischen Menschen. Was wir da hören, klingt eher nach Herausforderungen!

Die erste Herausforderung ist die brüderliche Liebe.

Die zweite Herausforderung ist, dass wir lieben sollen.

Zur ersten Herausforderung: Mit der brüderlichen Liebe ist die Liebe unter den Glaubensgeschwistern gemeint. Und diese gilt besonders den hilflosen, gefangenen und rechtlosen Menschen!

Das ist ein anspruchsvoller Auftrag: Menschen zu lieben, die uns nicht vertraut sind, und die am Rand der Gesellschaft stehen. Manche davon finden wir vielleicht abstoßend oder sie interessieren uns nicht. Manche Menschen passen so gar nicht in unsere Lebenswelt! – Wir müssen jetzt auch nicht aufstehen und jeden umarmen. Die geschwisterliche Liebe zeigt sich, indem wir aufmerksam sind, füreinander Verantwortung übernehmen, mitfühlend und fürsorglich miteinander umgehen. Das ist die erste Herausforderung! Menschen lieben, die uns nicht unbedingt nahestehen.

Die zweite Herausforderung ist, dass wir lieben sollen. So lesen wir:

Bleibt fest in der … Liebe! Gastfrei zu sein, vergesst nicht! … Denkt an die Gefangenen!

Man hört und sieht förmlich die Ausrufezeichen hinter den Aufforderungen. Macht dies! Tut das! – Mögen wir so etwas hören? Es gibt doch schon genügend Anforderungen in unserem Leben und Gemeinde-Alltag. Und jetzt auch noch das! Fremde, Gefangene, Misshandelte sollen wir lieben.

Das ist die zweite Herausforderung! Die geschwisterliche Liebe ist uns aufgetragen – und wir werden dazu ermahnt.

Aber: Liebe kann man doch nicht erzwingen!? Wie kann das funktionieren?

Wer den Hebräerbrief als Ganzes liest, versteht, wie zur geschwisterlichen Liebe motiviert wird: Gutes tun Christen anderen nicht, weil sie Gegenliebe erwarten; Gutes tun sie nicht, weil sie sich unter Druck gesetzt sehen. Gutes tun sie aus der Orientierung an Jesus. Und aus Dankbarkeit für seine Liebe!

II.

Im Hebräerbrief wird dazu ein ganz besonderes Bild von Jesus gezeichnet:

Diese Bild zeigt ihn als Hohepriester. Das Bild stammt aus dem Alten Testament. Heute ist es uns eher fremd. Aber für die Empfänger des Hebräerbriefes war das ein tröstliches und ermutigendes Bild.

Der Hohepriester hatte ein Amt. Nur er durfte ins Allerheiligste des Tempels. Nur er konnte dort Gott Opfer darbringen. Einmal im Jahr wurden so die Sünden des Volkes gesühnt. So stellte er immer wieder aufs Neue für alle Gläubigen die Verbindung mit Gott her. Und genauso wie der Hohepriester im Tempel hat Jesus durch sein Leben und Sterben ein für alle Mal die unverbrüchliche Verbindung der Gläubigen mit Gott hergestellt.

Und der Autor unseres Briefes lädt die Leser dazu ein:

Schaut auf diesen Jesus. Er ist Euer Bruder. Er hat Euch Gott nah gebracht und tut es als himmlischer Hohepriester immer noch.

Holen wir uns dieses fremde Bild noch ein wenig mehr in unsere Nähe. Stellen Sie sich vor: Jesus ist hier in unserer Gemeinde, er ist hier bei uns. Ganz in Ihrer Nähe. Er lächelt uns an und breitet seine Arme aus. Wir spüren: Wir gehören zu ihm, wir gehören zu Gott. Wir gehören wie Geschwister zusammen, weil Gott uns allen nahe ist.

Diese Liebe ist so einladend, so überwältigend, so inspirierend, dass wir einfach nicht anders können als sie weiterzugeben.

Und so ist im Hebräerbrief die geschwisterliche Liebe gar keine Herausforderung, sondern sie geschieht aus Dankbarkeit. Wir Christen sind wie ein Spiegel der Liebe Gottes. Mit unserem Verhalten bilden wir den barmherzigen Hohepriester Jesus ab.

III.

Jesus ist Menschen begegnet, die in den Augen der anderen nicht liebenswert waren: Zöllnern, Sündern, Kranken, Armen. Er ist für alle dagewesen und hält für alle das Heil bereit. Er hat sich zugewendet und ihnen Würde geschenkt. So, dass sie alle – und wir natürlich auch – merken: Wir sind Gott lieb, er ist uns nahe. Wir sind alle aufgehoben in Gottes großen Liebeskreis.

Dadurch sind wir alle schon im Himmel verankert und bilden durch unsere Liebe zu anderen schon ein Stück Himmel ab.

Gastfrei zu sein vergesst nicht – das ist die erste Ermahnung! Wir würden heute sagen: „Seid gastfreundlich!“ In den frühen christlichen Gemeinden galt die Gastfreundschaft v.a. den herumreisenden Missionaren.

Heute sind es eher die großen Fluchtbewegungen, die unsere Gastfreundschaft fordern und manchmal auch herausfordern. Es ist anstrengend, sich mit Menschen zu unterhalten, die kaum Deutsch sprechen. Es ist verunsichernd, sich mit jemandem an einen Tisch zu setzen, den man nicht kennt. Es ärgert uns vielleicht, wenn jemand Fremdes unsere Verhaltensregeln nicht beachtet. Manchmal fällt es schwer, verständnisvoll und geduldig zu sein.

Der Hebräerbrief nennt noch eine besondere Motivation für die Gastfreundschaft: durch sie haben einige schon ohne ihr Wissen Engel beherbergt!

Als 1989 nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze tausende Trabis auf den westdeutschen Autobahnen im Stau standen, gab es in vielen Kirchengemeinden wunderbare Hilfsaktionen. Gemeindeglieder stellten Privatunterkünfte bereit: Zunächst saß man sich als Fremde im Wohnzimmer gegenüber. Und dann kam es zu wunderbaren und berührenden Begegnungen. Ganze Lebensgeschichten wurden erzählt und man hat viel voneinander erfahren und gelernt. Fremde fühlten sich willkommen, und Gastgeber fühlten sich wertgeschätzt.

Gegeneinladungen wurden ausgesprochen und auf einmal reisten die Wessis in bis dahin unbekannte Gegenden, entdeckten verwunschene Landschaften. Es entstanden Freundschaften.

IV.

Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt – das ist die zweite Ermahnung im Hebräerbrief. Gedacht war hier an die Glaubensgeschwister, die in der antiken Umgebung Beschimpfungen, Unterdrückung, Schläge, Enteignung und auch Haft erleiden mussten.

Weil jemand Christ ist, wird bei uns heute in Deutschland niemand bestraft. Damals aber waren manche Christen gefährdet oder zumindest verachtet – so wie heute in unzählig vielen Ländern dieser Welt. Verachtet sind heute auch die Gefangenen in unseren Haftanstalten. Ihnen Liebe entgegenzubringen, ist schwierig.

Papst Franziskus hat dies gemacht:

1000 Strafgefangene hatte Papst Franziskus nach Rom eingeladen. Und eine Woche später sogar 4500 Obdachlose.

Er stellte sich vor sie und sagte:

„Ihr seid nicht der Rand, sondern die Mitte der Kirche. Durch Euch müssen wir den Weg der Liebe lernen.“ Und weiter sagte er: „Wir alle sind unterwegs auf der staubigen Straße des Lebens. Wir alle machen uns auf dieser Straße die Füße schmutzig.“  

Wie sehr sprach Franziskus den Gefangenen aus der Seele! Einigen wusch er dann noch die Füße, als Zeichen, dass der Staub ihres Lebens keine Bedeutung für Gott mehr hat. – Hier wurde etwas heil, was eigentlich so kaputt war: Manchen Gefangenen rannen die Tränen herab.

Freilich, mit Sträflingen haben die wenigsten von uns zu tun, vielleicht eher mit Menschen, die man als „Gefangene im Geist“ bezeichnen könnte: Es gibt auch Menschen, die in ihren Überzeugungen gefangen sind und uns deshalb fremd bleiben! Sie zu lieben erscheint uns dann unmöglich.

Der Kabarettist Maxi Schafroth hat diese Aufgabe mit Humor und Leichtigkeit gemeistert.

Beim Politikerderbleck’n am Nockherberg 2019 bekamen – wie jedes Jahr – alle Politiker ihr Fett weg, auf humoristische Weise.

Nach seiner „Bußpredigt“ wandte sich Maxi Schafroth noch einmal an eine besondere Menschengruppe; an diejenigen, die mit Ausländerhass Politik machen wollen. Mit einem gewinnenden Lächeln und offenen Armen sagte er zu diesen: „… ich wünsche mir, dass Ihr mit Liebe überhäuft werdet, dass dadurch Licht in Eure Herzen kommt.“

Der Kabarettist machte kein Hehl daraus, dass er mit dem Fremdenhass der von ihm angesprochenen Menschen nicht einverstanden ist. Und gerade diesen Menschen hat er sich besonders liebenswürdig zugewandt! Und herzlich lächelnd appellierte er dann an alle: „Bleibt beim Miteinander! Vergesst die Empathie nicht! Vergesst die kleinen Leute nicht!“

Noch einmal: Gibt es für uns einen Grund, die zu lieben, die uns eigentlich nicht nahestehen und vielleicht sogar fremd bleiben? – Ja, wir sollen sie so lieben, wie Christus uns geliebt hat! Denn daran werden wir erkannt – als Kinder Gottes!

Wir geben weiter, was wir empfangen haben: die Liebe des barmherzigen Christus.

Amen.

Predigtlied: KAA 075,1-3 Wo Menschen sich vergessen

Fürbittengebet

Gott,
um deine guten Gaben bitten wir dich
für uns und alle Menschen.

Um die Gabe der Liebe
bitten wir für die Einsamen,
die keinen Menschen haben,
mit dem sie Kummer und Freude teilen.

Um die Gabe der Dankbarkeit bitten wir für die,
die nehmen und nehmen
und alles Gute in ihrem Leben
als selbstverständlich betrachten.

Um die Gabe der Weisheit und des Verstandes
bitten wir für alle,
die für Staaten, Städte und Dörfer,
für Kirchen, Firmen oder Armeen
wichtige Entscheidungen treffen müssen.

Um die Gabe des Brotes
bitten wir für alle, die Mangel leiden,
denen das Nötigste zum Leben und zum Überleben fehlt.

Um die Gabe der Güte
bitten wir für alle,
die anderen nicht verzeihen,
nicht die Hand reichen.

Um die Gabe des Trostes
bitten wir für alle,
denen das Leben dunkel und schwer geworden ist.

Alle guten Gaben kommen von dir, Gott.
Darauf vertrauen wir – heute und alle Tage.

Amen.

Vaterunser

Bitte um Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden.

Von Sabine Meister und Gottfried Greiner bearbeitete und aktualisierte Lesepredigt von
Pfarrerin Ulrike Bracks
Eiskellerweg 32, 91560 Heilsbronn
E-Mail: Ulrike.Bracks@Studienbegleitung-ELKB.de


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